Die Rhoihesse

                             ...mehr als nur e Landkaad

Die Rheinhessen sind und waren schon immer ein besonderes Völkchen. Die geografische Lage im Rheinknie sorgte schon von jeher dafür, dass man sich mit fremden Besatzern auseinandersetzen musste. Das Land an sich ist fruchtbar und von Acker- und Weinbau geprägt. Der Wein ist schon seit Römerzeiten ein Kulturgut der Region. Der löst auch die Zungen und so haben die Rheinhessen ganz viele Wörter, die sie sich gegenseitig ins Ohr sprechen. Auch, wenn diese Worte auf den ersten Blick etwas negative Vibes erzeugen, so ist es doch eher die Art und Weise, wie man sie benutzt. So kann ein und dasselbe Wort alle menschlichen Zustände beschreiben, je nachdem, wie man es anwendet und vor allem ausspricht. Der Ton macht hier die Musik.


Auf meinem Plakat “Die Rhoihesse” habe ich großen Wert darauf gelegt, dass man sie tatsächlich auch als Reisekarte benutzen kann, aber der Fokus liegt ganz vorsätzlich auf der Sprache. Jedes Dorf ist so geschrieben, wie man es auch ausspricht. Natürlich hat auch der Rheinhessische Dialekt seine Varianten, ganz abhängig von seiner geografischen Lage, d.h. es gibt manchmal verschiedene Sprechweisen oder Aussprachen. Ich ging den Weg der Mitte, so wie mer halt bei uns dehaam babbelt, in de Mitt vun Rhoihesse.


Eine weitere Besonderheit der Rheinhessen ist ihr Humor, den sie auch gerne mal in der Beschreibung ihrer Nachbarorte nutzen, um diese auf die Schippe zu nehmen, oder, wie man bei uns sagt: uze. Uze heißt jemanden auf die Schippe nehmen, ärgern, verspotten. Natürlich spiegeln sich darin auch menschliche Eigenschaften wie Mißgunst, Neid, Überheblichkeit und Stolz. Aber, wie Heinz Erhardt schon immer sagte: "Humor ist, wenn man trotzdem lacht.” 


So begab es sich, dass heute fast alle Orte in Rheinhessen einen eigenen Uznamen haben. Manchmal zielt das auch auf geschichtliche Begebenheiten, Sagen oder geografische Besonderheiten, Personen können auch dabei sein oder “Fremdeinwirkungen”. Jedenfalls habe ich zu allen Ortsnamen den Uznamen beigefügt, so sie einen haben. Es sind aber nur drei ohne!


Ihr könnt gerne, wenn ihr den ein oder anderen Ort besucht, mal da nachfragen, welche Geschichte es dazu gibt. So kann man auch schnell mal mit “Einheimischen” ins Gespräch kommen;). Hier alle zu beschreiben ist zu viel, eher eine lange Serie, gemessen an den vielen Ortschaften. 


Außerhalb der Landkarte habe ich die Fläche gefüllt mit solchen Necknamen, Bezeichnungen und “Worten der gegenseitigen Einordnung”. Wie schon gesagt: der Ton macht da die Musik.

Kleiner Tipp: wenn euch was oder jemand ärgert, einfach mal fünf Minuten laut daraus vorlesen, das erleichtert.


Viel Spaß in Rhoihesse, aach mit em Finger uff de Landkaart.

Eier Selztalerin


von Nicole Schmuck-Kersting 20. März 2025
Ich befasse mich schon seeeehr lange mit dem Thema Wein. In meiner Kindheit spielte der Rebensaft schon eine große Rolle. Mein Vater hat uns Kinder immer mal probieren lassen. Viele werden jetzt den Kopf schütteln, Wein und Kinder?! Es waren andere Zeiten und auf dem Land in Rheinhessen, gehörte Wein schon immer zum Alltag. Außerdem war es in meiner Kindheit und Jugend ganz selbstverständlich, mit in den Wingert zu gehen, beim Rebschnitt, beim Biegen, beim Hacken und natürlich ganz besonders in der Zeit der Weinlese zu helfen. Während die Jungs eher scharf waren aufs Butt tragen, Traktor fahren und keltern, mischte ich eher beim Lesen mit der Schere mit. So wurden Eimer für Eimer die tollen Trauben, die auch sehr gut schmeck(t)en, in die Butt gefüllt, zum Traktor geschleppt und in die große Bütte geleert. Die Pausen waren immer ein besonderes Highlight, mit Vesper und gutem Essen an der frischen Luft. Und man hatte auch immer ein bisschen Geld in der Tasche, nach der Arbeit im Weinberg. Mein Opa war Wingertschütz und verteidigte die leckeren Pergel vor den Staren mit Schreckschusspistole und Aufmerksamkeit. Ich durfte ihn rotkäppchenmäßig, den Korb mit Essen und einer Flasche Wein zum Wingertshäuschen bringen. Zu der Zeit waren auch noch viele Menschen im Weinberg, zur Zeit der Lese, denn es wurde nur mit Hand geerntet, gesungen und erzählt. Die Trauben kamen ins Kelterhaus, wo der Winzer seine lange Arbeit anfing aus dem Traubenmost einen guten Wein zu machen. Bis so ein Tropfen in der Flasche landet, braucht es viel Geduld, Fachwissen und Liebe. Deswegen sehe ich die Produktion von Wein auch als Kunst. Unangefochten! Und da kommen wir zum Thema: Poesie in Flaschen! In jeder Flasche Wein stecken die Rebsorte, die Sonne, der Boden, das Wetter und ganz viel Können des Winzers, der Winzerin. Wein ist Natur und Liebe, in Flaschen verpackte Freude am Produkt. So mancher Wein erweckt im Gaumen ganze Feuerwerke an Aromen, man schmeckt die Erde (Terroir), die Früchte. Jeder Wein ist für sich ein Kapitel im großen Buch der Aromen und jeder Jahrgang eine neue Herausforderung an Mensch und Gerät. Im Reifeprozess entstehen die Verse, die den Wein zum Gedicht machen. Erst dann kommt die Poesie in Flaschen. Prost, die Selztalerin
von Nicole Schmuck-Kersting 13. Januar 2025
Bevor isch misch uffrech is mers lieber egal: Achtsamkeit "uff Rhoihessisch"
von Nicole Schmuck-Kersting 5. November 2024
Alze(y), die heimliche Hauptstadt Rheinhessens
von Nicole Schmuck-Kersting 26. Oktober 2024
Bilder, die Geschichte(n) erzählen: Gude Meenz